Nĭ hăo

Hallo Ihr Lieben daheim, inzwischen mehr als eine Woche vergangen und jetzt will ich Euch von unseren ersten Eindrücken und Erlebnissen berichten. Da ich scheinbar über wenig viel zu erzählen habe, werde ich schon hier sagen, dass dieser Bericht nur einen Bruchteil der Woche wiedergibt! Also bleibt dran, der nächste Post steht schon bald an.

Wir sind am Dienstag um 16 Uhr in Shenyang angekommen. Na klar, Zoll, Hund übergeben, Papiere sortieren, dann zum Hotel, einchecken und dann endlich, nach langer Reise Schuhe aus und Füße hoch… da klingelt das Telefon. Großer Schreck, als ich realisiere, dass wir in China sind und verstecke mich im unauffällig Badezimmer. Lass das mal den Chef machen. Der hat alles im Griff, zum Glück zieht er sich noch die Schuhe wieder an, bevor mit dem Telefon in der Hand zur Rezeption läuft. Kurz darauf kommt er wieder und berichtet, dass wir Haakon schon jetzt vom Hundehospital abholen können. Was schon in Deutschland zu einer größeren Aufgabe geworden wäre, wurde hier mit der Unterstützung des Hotelpersonals in Nullkommanichts organisiert. Wir mussten ja nicht nur den Hund sondern auch seine Reisebox abholen und die ist groß, sehr groß. In zusammengebauten Zustand nicht im 5er Touring zu transportieren. Uns war das klar, das Personal hatte natürlich keine Vorstellung und vermutlich waren sie auch der Meinung, wir würden übertreiben. Aber am Ende durften wir den Hotelbus mieten (wie gut, dass uns unser Hund soviel wert ist), da passen locker 20 Leute rein. Aber auch hier war uns klar, dass wir die Box würden zerlegen müssen, um sie überhaupt in den Bus zu bekommen. Das wird schon laufen, immer positiv bleiben.

Die nächste Aufgabe bestand darin, dem Fahrer die Adresse zu geben. Klingt einfach, ist es aber nicht. Ist es nie, soviel haben wir inzwischen schon gelernt. Wie gut, dass Suzie von der Rezeption uns anbot, mitzukommen und uns zu unterstützen. Unser Glück! Mit dreimal Wenden (das ist hier kein Problem, auch auf mehrspurigen Straßen ist das immer wieder zu sehen, man braucht nur Nerven aus Stahl, da zu dem Manöver auch ganz viel Hupen gehört), telefonieren mit dem Hundehospital und schließlich Folgen der Taschenlampe des Pförtners fuhr der Bus auf den Hof ein. Es war inzwischen schon dunkel und wenn ich ehrlich bin, es sah eher aus wie ein Schrottplatz als ein Hundehospital. Ich weiß ja, dass der erste Eindruck hier häufig täuscht, aber ich war schon froh, dass wir Haakon jetzt mitnehmen durften. Der Süße stand mit seiner Box im Flur eines Hauses und wenn ich ehrlich bin, ich glaube, er war auch noch gar nicht rausgekommen. Aber was weiß ich schon. Mir war gesagt worden, dass ich Kopien unserer Pässe mitbringen sollte, allerdings nicht, dass auch eine Kopie des Hundepasses benötigt wird. Die lagen im Hotel, immerhin hatte ich welche. Jetzt allerdings half mir das nichts, ich musste den Pass dort lassen und am nächsten Tag mit Kopien wieder kommen. Na, super, ich konnte nur hoffen, dass unser Fahrer den Weg finden würde.  Da geht man doch mit leichtem Herzen ins Bett, oder?

Haakon ging es nach der langen Reise super, er hat sich gefreut uns zu sehen, die Box war sauber und er hat keinerlei auffälliges Benehmen gezeigt. Neugierig hat er geschnüffelt und dann endlich Pippi an einen Baum gemacht. Brav!!

Nun sind ja Hunde in China eher umstritten. Nein, hier geht es nicht darum, dass sie gesessen werden, sondern dass viele Menschen hier Angst haben. Selten habe ich so viele springende und zurückzuckende Leute gesehen wie hier, wenn ihnen der Hund plötzlich auffällt. Dabei ist er immer an der Leine! Und die Krönung ist es, wenn wir einem Pärchen begegnen und der Mann dann ganz plötzlich seinen Platz verlässt und seine Freundin zwischen sich und den Hund bringt. Sehr männlich, das beeindruckt mich immer wieder.

Es gibt natürlich auch Ausnahmen, und wenn sich an der Ampel erst einmal eine meist weibliche Person getraut hat, den Hund zu streicheln, dann kommen noch einige Hände dazu, das ist dann wieder ganz nett zu beobachten.  Vielleicht hätten wir Haakon rot färben sollen, diese Farbe bringt Glück, während Schwarz Unglück bringt, weil es in Verbindung mit Tod und Trauer steht. Das sieht man gerade jetzt besonders deutlich, wo für die Neujahrsfeiern alles in rot und Gold geschmückt wird. Solche an dem Baum hängende rote Umschläge werden verwendet, um darin Geldgeschenke an Angestellte oder Familie zu überreichen. Eine schöne, dezente Möglichkeit jemandem etwas Gutes zu tun, da beispielsweise Trinkgelder eher nicht gegeben werden.

Damit die Gäste im Hotel sich nicht belästigt fühlen, die Aufnahme Haakons ist eine absolute Ausnahme, müssen wir mit ihm immer über den Bedienstetenausgang gehen. Ich kann Euch nur empfehlen, diese Mühe mal auf Euch zu nehmen. Da hinten sieht es anders aus!!! Was ich mich noch nicht getraut habe, ist von dem Straßenhändler etwas zu essen zu kaufen. Das ist bestimmt lecker, wenn man von der Schlange ausgeht, die morgens immer davor steht. Aber hier kommt man eben mit englisch nicht weiter. Da muss ich erst etwas mehr chinesisch lernen.

Hinter dem Hotel habe ich zum ersten Mal diese aus dem Boden aufsteigenden Dampfschwaden gesehen, allerdings kommen die nicht aus einem Gullideckel, wie man das aus New York kennt, sondern aus Rissen in der Erde. Wollen wir wissen, wo das herkommt? Besser nicht! Und ich will Euch auch verschonen mit Beschreibungen des Geruchs! Ich lasse es einfach mal bei: nicht lecker!

Nach einer Woche bei Schneewetter durch den Hintereingang war der Teppich im Flur total verdreckt. Während nämlich in der Lobby sämtliche Strecken mit schwarzem Teppich ausgerollt sind, damit keiner auf dem nassen Marmor ausrutscht, gibt es auf der uns zugewiesenen Strecke nichts dergleichen. Und bei den dicken Profilen unserer Winterstiefel genügt Estrich nicht, das Wasser und den Schmutz rauszubekommen. Mit dem Betreten der dicken, plüschigen Hotelteppiche (ihr wisst schon, auf denen man immer so leicht nach vorn und hinten schwimmen kann) findet dann die Tiefenreinigung der Sohlen statt. Leider ist die Spur bis zu unserem Zimmer zu folgen, peinlich! Aber man muss es dem Hotel zugute halten, dass sie nichts gesagt sondern einfach gehandelt haben.  Die Teppiche wurden gereinigt und jetzt gibt es einen winzig kleinen, ganz kurzflorigen Teppich im Treppenhaus (der Angestellten, natürlich) auf dem wir jetzt immer ein Tänzchen machen, um möglichst viel Schutz dort zu hinterlassen. Hatte ich schon gesagt, dass ich mich auf unser eigenes Haus freue?! Nur schade, dass dort auch die lästige Kocherei wieder auf mich wartet. Ach, es ist immer die Qual der Wahl zwischen Pest und Cholera.

Ich wünsche Euch allen noch einen schönen Tag!
Bis bald mit weiteren Geschichten aus unserer neuen Heimat,
Eure Bettina

 

 

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