Stadtbummel in Shanghai

Bei einer Temperatur von 35 °C und fast 85% Luftfeuchtigkeit hatte ich mich gegen einen Besuch des Shanghai World Financial Centers entschieden. Die Aussicht kann man nur als „leicht diesig“ bezeichnen und bei über 400 Metern Höhe könnte ich Euch jetzt auch nur zeigen, dass unten am Boden alles echt klein ist. Bei Stadtbummel meine ich auch nicht den Gang über die Flaniermeile – laaangweilig! Nein Lara und ich haben der Altstadt und dem französischen Viertel einen Besuch abgestattet. Ich hoffe, die Franzosen sind mir jetzt nicht böse, wenn ich auch hier nicht Glitz und Glamour gesucht habe. Der chinesische Alltag fesselt mich einfach mehr.

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Etwas ab von den ganz großen Straßen herrscht geschäftiges Treiben bei gleichzeitiger Gelassenheit. Leben auf der Straße – im wahrsten Sinne des Wortes. Transportfahrzeuge jeglicher Art stehen zur Verfügung, nicht nur für die Anlieferung frischer Waren, das Abtransportieren des Mülls und das Bewegen der mobiles Essensstände sondern auch zweirädrige Taxis gibt es. Ich gestehe, trotz wesentlich aufgeschlossenerer Fahrer habe ich mich noch nicht getraut, aufzusteigen. Ich bin als Motorradfahrerin doch auf etwas mehr Sicherheit aus. Sicherheitskleidung, Stiefel, Helm: kannste hier vergessen!

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Bei konstant schönem Wetter findet das Leben auf der Straße statt. Ob es sich tatsächlich um kleine Restaurants oder um die Eigenversorgung des Ladenbesitzers handelt, ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. In den Läden lebt häufig gleichzeitig die ganze Familie, daher gehört die Kochstelle und die Betten mit zur Ausstattung. Das gilt aber eben auch für Restaurants. Komisch, das Wort Restaurant will mir gar nicht so richtig von der Zunge, wenn ich gleichzeitig verschiedene bereits besuchte Plätze im Kopf habe.

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Im chinesischen heißt so ein Ort cāntīng, das klingt mehr wie eine Kantine, und so wirkt es auch eher. Praktisch, nüchtern, nicht wirklich schick dafür aber meist lecker und günstig. Natürlich gibt es auch die schickeren chinesischen Restaurants, aber die sind meist nichts für den Alltag. Dorthin werden Gäste ausgeführt oder Feste gefeiert. Das Schriftzeichen oben bedeutet (unter vielem anderen) Nudeln, hier also ein Platz mit Nudelgerichten. Gehört hier zu den ganz schnellen und günstigen Gerichten.

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Wer kann es den Chinesen verübeln, wenn sich hin und wieder kleine Schreibfehler einschleichen. Erst zwei Generationen lernen in der Schule Pinyin, die chinesische Lautsprache. Für die Chinesen sind unsere Buchstaben häufig ebenso merkwürdig und nicht auseinander zuhalten, wie ihre Schriftzeichen für uns. Lustig ist es, wenn wir im Unterricht etwas aufschreiben, was nicht der von ihnen gelernten Norm entspricht. Zum Beispiel schreiben wir doch unser n oder m häufig oben statt unten offen. Dafür machen wir über dem u dann einen Strich. Wenn wir auf diese Weise Pinyin schreiben, trifft das auf völliges Unverständnis, als hätten wir einen Schreibfehler gemacht. Aber wenn ich dann ihre von Hand geschriebenen Schriftzeichen nicht lesen kann, können sie das nicht verstehen. 

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Der lange Weg der Lomography – ein kleiner nostalgischer Ausflug in die Vergangenheit und zum Berliner Fotomarathon! Leider konnte ich im vergangenen Jahr noch nicht genug chinesisch, um Kontakt aufzunehmen. Und im letzten Sommer war auch der Shenyanger Fotomarathon noch nicht geboren, aber vielleicht kann man ja im kommenden Jahr etwas anbahnen. 

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Was mir besonders gut im französischen Viertel gefallen hat, waren die kleinen ruhigen Straßen mit individuellen Läden, Cafes und Restaurants. Das war bisher in Shenyang noch nicht so weit verbreitet, kommt aber allmählich auch hier oben im Nordosten Chinas an. Der westliche Einfluss ist stark zu spüren und ist hin und wieder Balsam für unsere Seelen. Denn noch herrschen starke Kontraste vor, entweder super schick und teuer oder aber einfach, häufig schmuddelig und bezahlbar. 

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Sicherheit steht hier ja nicht gerade an oberster Stelle, das einzige Zugeständnis sind die Helme der Bauarbeiter und die werden bestimmt auch nur deshalb ausnahmslos getragen, weil sie zur Ausstattung gehören. Ansonsten wird ohne Sicherung auf den Gerüsten geklettert, Baustellen auf den Straßen werden fast gar nicht abgesperrt, wenn man mal von den zwei Pylonen direkt am Loch und den drei bis vier zuschauenden Arbeitern absieht und Helme werden überhaupt nicht getragen, selbst wenn das Befahren der Straßen in verkehrte Richtung zum guten Ton gehört und zu unzähligen Unfällen führt. Da sollte man sich über das Bambusgerüst eigentlich nicht wundern, oder?

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Über Einkaufsmöglichkeiten braucht man sich in China keine Sorgen zu machen. Obst und Gemüse werden häufig direkt vom Erzeuger am Straßenrand verkauft. Da gilt noch der Spruch „Frisch auf den Tisch“. Außerdem ist das auch für die Käufer sehr bequem, da sie sich keine Gedanken um die Parkplatzsuche machen müssen. Es wird einfach schnell angehalten und alles Nötige besorgt. Der Hintermann hat sicher Verständnis und vielleicht fällt ihm ja ein, dass er auch etwas gebrauchen könnte. 

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Im Sommer sehr beliebt und vor vielen Geschäften zu sehen sind diese kleinen Vogelkäfige. Immer wieder passiert es mir, dass ich zwar die Vögel hören aber erst nach genauerem Schauen auch sehen kann. Die liebevollen Holzkäfige sind ausgestattet mit kleinen wunderschön bemalten Porzellanschälchen für Wasser und Futter. Es gibt ganze Märkte die sich diesem Hobby und dem dazu notwendigen Zubehör widmen. 

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Dieser schon etwas größere Markt hat natürlich neben Obst und Gemüse auch Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte. Ich gestehe, der Geruch ist gewöhnungsbedürftig und die Hygiene entspricht sicher nicht unseren Standards, aber es ist immer alles frisch. Und wenn ich dann mal nachfrage, was das für ein Obst ist, werde ich immer aufgefordert, es zu probieren. Da darf man nicht zimperlich sein und kann nur hoffen, dass alle notwendigen Impfungen noch ihren Zweck erfüllen.

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Und wenn man dann keine Lust mehr auf fünf Sterne hat, kann man ja mal wieder ganz bodenständig werden und eine öffentliche Telefonzelle umfunktionieren. Da jeder Chinese im Besitz eines Smartphones ist, wird dieses Häuschen ganz sicher in absehbarer Zeit nicht dringend benötigt.

Soweit ist es bei uns noch nicht, und solange mein Mann beim Buchen des Hotels auf ein westliches Frühstück besteht, werden wir da auch nicht landen!

Bald gibt es mehr von unterwegs!
Eure Bettina

 

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