Xi'an in der Provinz Shanxi

China ist ein riesiges Land, das wird uns immer wieder bewusst, wenn wir unsere Reisen planen. Wie lange kann es schon dauern, wenn man innerhalb eines Landes unterwegs ist? Von Shanghai nach Xi’an fliegt man 2h45m und Xi’an liegt in der Mitte Chinas und ist noch lange nicht an der westlichen Grenze. Hier befand sich unter der Qin-Dynastie die erste Hauptstadt des Kaiserreiches Chinas, eine ereignisreiche Zeit folgte und noch heute sind viele Zeugnisse aus den verschiedenen Dynastien zu sehen.

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Die Stadtmauer Xi’ans ist die größte überwiegend erhaltene Stadtmauer Chinas. Mit über 13 km Länge ist sie heute für Besucher geöffnet und man hat die Möglichkeit, sich Fahrräder zu leihen und den Stadtkern Xi’ans einmal von einer anderen Perspektive zu betrachten. Bei 39 Grad und überaus Sonnenbrand gefährdeter Haut haben wir uns entschlossen, diesen Ausflug zu überspringen. Lara war im Mai mit ihrer Klasse bereits in Xi’an gewesen und hatte diese Fahrradtour schon unternommen. Ihre Beschreibung der Fahrräder hat uns bei der Entscheidung nur noch unterstützt. Also haben wir uns auf den Weg ins Zentrum gemacht, durch das Südtor der Stadtmauer zum Glockenturm, weiter am Trommelturm vorbei zum muslimischen Viertel.

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Der Glockenturm liegt auf der Kreuzung der Straßen, die das Nord- und das Südtor sowie das West- und Osttor verbinden. Früher wurden die Glocken am Morgen geläutet um das Herunterlassen der Zugbrücken an den vier Toren zu veranlassen. Abends findet zwischen dem Glockenturm und dem Trommelturm die in China überall üblichen Aktivitäten statt: Nachtmärkte mit allen möglichen Essensständen, Sport, Musik und Spielereien für Groß und Klein.

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Der Trommelturm hatte damals die Aufgabe, das Hochziehen der Zugbrücken abends zum Schließen der Stadt zu veranlassen. Heute werden diese beiden Gebäude als Museen bzw. für Konzerte genutzt.

Keine Trommeln, keine Glocken: da hatten unsere beiden Grazien Glück und wurden nicht aus ihrem Schlaf gerissen. Ganz integriert in den chinesischen Lebensstil haben sich die beiden mitten im Trubel für ein kleines Päuschen in den Schatten gelegt; sollten doch die Jungs allein auf den Trommelturm klettern.

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Xi’an ist bekannt für sein muslimisches Viertel, in dem neben den üblichen Speisemöglichkeiten auch die Große Moschee von Xi’an steht. Diese Moschee wurde in der Tang-Dynastie am östlichen Ende der Seidenstraße errichtet und im Laufe der Jahrhunderte immer wieder renoviert. Die Moschee ist anders als die meisten Moscheen im Nahen Osten vollkommen chinesisch geprägt. Da wir nicht angemessen gekleidet waren, haben wir nur einen Blick über die Mauer werfen können. Ich glaube, bin mir aber nicht hundertprozentig sicher, dass der Turm hier im Bild zu den Gebäuden der Moschee gehört.

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Übrigens war die Verlegung der Stromleitungen in Xi’an besonders auffällig und hier noch eher auf der sparsamen Seite. Wenn es da mal Probleme mit der Stromversorgung gibt, weiß ich jetzt zumindest, warum das Beheben so lange dauert.

Aber zurück zum Ausflug, statt Kultur stand nun ein Bummel durch das muslimische Viertel an. Reges Treiben auf der Straße und rechts und links jede Menge Neues zu sehen.

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Bekannt sind Süßigkeiten aus Xi’an, bei deren Herstellung man den ganzen Tag zuschauen könnte. Manche Teige werden mit schweren Hammern geklopft und andere Teige werden gezogen, gedreht, wieder zusammengelegt und erneut in die Länge gezogen. Dabei kommen dann Süßigkeiten in verschiedensten Formen und Geschmacksrichtungen heraus. Durchaus interessant fanden wir die durchaus scharfe Variante mit Chili!

Sweets

Max ist als erstes zielstrebig auf diese herzhaften mit Fleisch gefüllten Brote zugestürmt. 肉夹馍 (rou4jia1mo2) heißen sie. Ich glaube, den Tip hatte er von einem seiner Uni-Freunde. Dieser chinesische Burger ist besonders beliebt im Norden Chinas. Er sieht nicht nur gut aus sondern hat auch wirklich sehr lecker geschmeckt! Natürlich war auch der Burger, ebenso wie viele andere Speisen, etwas schärfer. Dafür ist die Gegend um Xi’an bekannt.

Pita

Nach stundenlangem Schlendern durch die Stadt haben wir uns dann auf die Suche nach einem Restaurant gemacht. Das ist bei neun Personen mit unterschiedlichen Vorlieben gar nicht so einfach. Wir haben dann aber ein sehr schönes Hotpot-Restaurant gefunden, in dem das Essen sehr lecker geschmeckt hat und das Personal außerordentlich hilfsbereit war. Obwohl es für uns ja nicht das erste Mal war, ist die Auswahl der Zutaten immer wieder spannend und führt an allen benachbarten Tischen zu lebhafter Anteilnahme und großer Freude! Und wenn wir das Gemüse oder die Nudeln nicht rechtzeitig aus der Brühe holen, weil das mit Stäbchen etwas schwierig ist, greift auch schon mal eine Bedienung ein. Plötzlich erscheint mir meine Fingerfertigkeit mit den Stäbchen unzulänglich!

Liebe Grüße und bis bald, Eure Bettina

 

 

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