Ein starkes Stück

Meine Kinder müssen, wie so viele Kinder auch, täglich mit dem Bus zur Schule fahren. Just am vergangenen Valentinestag hat es sie dann erwischt. Sie waren etwas spät an der Bushaltestelle angekommen, als der Bus schon rollte. Mein Sohn sprintete neben dem Bus her und klopfte an die Tür. Der Busfahrer wurde langsamer und zeigte ihm einen Vogel, ein freundlicher Hinweis auf die Gefahr neben dem Bus. Schnell kann man bei uns nicht fahren, daher hat mein Sohn nochmals angesetzt, sich vor den inzwischen schon stehenden Bus gestellt und einfach mal abgewartet. Ihr könnt Euch vorstellen, dass der Busfahrer nicht gerade erfreut war. Er öffnete sein Fenster und schimpfte mit ihm. Sie sollten doch den nächsten Bus nehmen. Auf den Hinweis, dass der nächste Bus erst in einer halben Stunde kommen würde und sie dann zu spät in die Schule kämen, zuckte der Busfahrer nur mit den Schultern. Dann fuhr er tatsächlich los und ließ den Jungen mitten auf der Straße stehen. Gefahr hin oder her!

Ein starkes Stück, oder? Mein Sohn war noch sauer, als er Stunden später wieder nach Hause kam und ich kann es ihm nicht verübeln. Was für eine Schikane! Ob sich der Busfahrer für seine Rücksichtslosigkeit geschämt oder sich für sein konsequentes Verhalten auch noch auf die Schulter geklopft hat?

In Berlin hört man ja des öfteren davon, dass Busfahrer angegriffen worden sind. Und in der Regel gilt ihnen unsere Sympathie. Aber nach einem solchen Erlebnis schleicht sich der Gedanke ein, dass der Busfahrer es verdient haben könnte. Vielleicht! Ein bisschen?

Auf jeden Fall tragen sie ein Stück zur Erziehung unserer Kinder bei, indem sie ihnen als Vorbild dienen. Und welches Signal setzt ein Busfahrer, wenn er Kinder einfach in der Kälte an der Bushaltestelle stehen lässt? Kinder, die sich dann auch noch vor ihrem Lehrer dafür verantworten müssen, dass sie eine halbe Stunde zu spät zur Schule kommen! Was haben diese Kinder aus einer solchen Situation gelernt? Dass sie früher aus dem Haus gehen sollten? Vielleicht. Dass Freundlichkeit und Mitgefühl dich im Leben nicht weiterbringen? Bestimmt.  Und als freundlichen Umgangston den Vogel zeigen, das geht immer!

Ist Euch auch schon mal sowas passiert und wie habt Ihr darauf reagiert?

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