Fotomarathon Berlin goes Shenyang

Mit unserem Umzug nach China musste ich schweren Herzens meine Freunde beim Fotomarathon Berlin zurücklassen. Zwei Jahre lang habe ich mit Begeisterung den Fotomarathon sowie die anschließend stattfindenden Ausstellungen mit vorbereitet. Nach soviel Arbeit sind wir dann im vergangenen August gemeinsam nach Kopenhagen geflogen und haben dort einmal als Teilnehmer einen Fotomarathon miterlebt. Absolute Spitze, meine Fotos hatte ich Euch hier schon gezeigt!

Von China aus konnte ich jetzt nur noch einige Texte für das Team übersetzen, ansonsten waren mir die Hände gebunden. Umso mehr hat es mich gefreut, dass meine Idee, Fotos zu den diesjährigen Themen in Shenyang zu machen und in der Ausstellung zu zeigen, soviel Anklang gefunden hat. Und nicht nur das, es ist sogar eine internationale Sektion aufgestellt worden. Das Team hat seine Fühler ausgestreckt und Freunde und Bekannte aus aller Welt angesprochen, ob sie nicht Lust haben, auch teilzunehmen. So wurde ein Pilotprojekt gestartet, in der die Internationalen außer Konkurrenz mit leicht geänderten Regeln an den Start gegangen sind.

Die Fotos, die ich dieses Mal zeige, sind an „meinem“ Fotomarathon-Tag entstanden, sind aber nicht die von mir eingereichten Bilder. Im Gegensatz zum Berliner Fotomarathon haben wir alle 12 Themen auf einmal bekommen und konnten unseren Startpunkt sowohl zeitlich als auch örtlich selbst legen. Ich gebe zu, das hat das Ganze erheblich vereinfacht und mir die Möglichkeit gegeben, tatsächlich etwas mehr auch von Shenyang bzw. China in meine Bilder einfließen zu lassen. Und das sollte ja auch ein wichtiger Aspekt der Internationalen Sektion sein: Bilder aus der Welt zu zeigen.

Das Thema des diesjährigen Fotomarathons lautete „Die Stadt ist voller Gegensätze“. Ein fantastisches Thema und gerade hier wunderbar einzufangen. Schön und hässlich, arm und reich, hektisch und beschaulich, alles liegt in dieser Stadt ganz dicht beieinander. Nicht alle Einzelthemen waren einfach und die Entscheidung, welches das Rennen für mich machen würde, war am Ende schwierig. Ob „sexy aber dezent“, „alltäglich aber berühmt“, „spannend aber alltäglich“ oder „schwer verliebt aber unentschieden“, die Auswahl war groß und an Motiven hat es uns nicht gefehlt.

Unsere Tour hat bei uns gleich um die Ecke am Markt begonnen, wo uns insbesondere der Eselskopf schwer beeindruckt hat. Außerhalb der Stadt wie auch in der Stadt findet das Leben im Sommer auf der Straße statt. Es wird gehandelt, gespielt, geflirtet und gefaulenzt. Ganz wichtig dabei ist im Sommer der Sonnenschirm. Denn braun werden ist nicht angesagt, das deutet auf Arbeit im Freien hin. Als Max mit seinem Sprachkurs an einem großen Sporttag an der Uni teilnehmen musste, wies die Lehrerin darauf hin, sich gründlich einzucremen, sonst würde man „chocolate“. Wie sich wohl die Afrikaner mit schwarzer Hautfarbe im Kurs gefühlt haben? Wenn man allerdings eine Sonnenbrille aufsetzt, wird man „Panda“. Humor haben sie, oder?

Rotgefärbte Haare und mit seinen Freunden angeln gehen. Bodenständig! Die Hobbys sind einfach und immer gesellig. Ruhe ist beim Angeln nicht das Wichtigste. Während ich jetzt so darüber nachdenke, kommt die Frage auf, ob die hier geangelten Fische dann abends auf den Straßenmärkten gegrillt und verkauft werden? Alles ist möglich hier in China…

Auch so spontane Aufnahmen wie von dieser Frau vor der roten Wand. Noch auf dem Weg zu unserem eigentlichen Ziel zum Thema „gut bürgerlich aber spannend“ kamen wir hier vorbei und der farblich Kontrast fiel uns sofort ins Auge. Dass die Dame dann auch noch so bereitwillig in die Kamera gelächelt hat, ist ein Sonderbonus gewesen.

Auf einem Straßenmarkt haben wir uns dann auf die Suche zu dem Thema „spannend aber alltäglich“ gemacht. Selbst nach fast 6 Monaten sind und bleiben die Märkte für mich spannend und abenteuerlich, ungewöhnlich und fremd. Obst und Gemüse gibt es in Hülle und Fülle, Fleisch- und Fischspieße werden gegrillt und zwischen all den Ständen gibt es haufenweise Essmöglichkeiten. Im Sommer besonders beliebt die kalten Nudeln.

Alt und jung treibt sich auf der Straße herum und zwischendrin fahren beladene Fahrräder, Motorroller und Autos. Hier gilt immer und zu jeder Zeit: Augen auf im Straßenverkehr! Auch wenn mir das nachfolgende Foto als spannender Alltag sehr gut gefallen hat, so habe ich mich letztendlich doch anders entschieden. Um ein vollständiges Bild zu erhalten, müsste auch noch eine Vertonung dazu kommen.

Ein wunderbares Beispiel, wie sich zum Spiel alt und jung zusammenfindet. Und wie erholsam, dass es neben dem Smartphone auch noch das gute alte Brettspiel gibt. Was ganz genau gespielt wird, weiß ich noch nicht. Dieses hier sah aus wie Schach. Es gibt aber auch noch Spiele mit Unmengen von Steinen, die mit Schwung auf das Brett geknallt werden. Meist stehen auch mindestens 10 Männer um die Spielenden herum und geben vermutlich schlaue Tipps weiter. Ruhe und Konzentration sind völlig überbewertet!

In der Shopping Mall habe ich dann eine ganze Weile diesem Kind dabei zugeschaut, wie es vor der Kuchentheke hin- und herging und sich ganz eindeutig nicht entscheiden konnte. Die Verkäuferin stand derweil äußerst geduldig daneben und hat gewartet. Für Kinder tun sie hier wirklich alles. Ich befürchte, der Begriff verwöhnte Einzelkinder bekommt hier eine ganz neue Bedeutung. Fast wäre dieses Foto für das Thema „schwer verliebt aber unentschieden“ gestartet.

Aber auch der Ausblick vom 26. Stockwerk des Grand Hyatt könnte unter „schwer verliebt aber unentschieden“ fallen. Leider nicht ganz allein für sich sprechend, denn zu der schönen Aussicht gehört vielleicht auch die nicht immer ganz schöne Luft. Und überhaupt, das ist meine Aussicht und ich bin überhaupt nicht unentschieden! Also musste zu Beginn der Dämmerung noch eine neue Idee her! Zum Glück konnte ich meinen Mann davon überzeugen, dass wir doch noch mal weiter in die Stadt zum Shifu Square fahren sollten. Dort, so wurde uns berichtet, soll abends unglaublich was los sein!

Und da war was los! Die Walkinggruppen und Tänzer sowie die Fitnessgruppen von Vereinen haben wir ja schon in anderes Parks gesehen, aber die Menschenmengen, die hier unterwegs waren, haben uns schier überwältigt. Und zum Glück haben wir hier dann auch noch schöne Motive zum Thema Unentschiedenheit gefunden.

Nach neuneinhalb Stunden bei über 30 °C haben wir uns dann rechtschaffen erschöpft auf den Heimweg gemacht. Ein spannender und ereignisreicher Tag an dem wir wieder neues gesehen und entdeckt haben!

Nächstes Mal gibt es dann die Fotos, die ich eingereicht habe und die am 12. und 13. Juli in Berlin-Kreuzberg in der Heeresbäckerei ausgestellt werden!
Bis dahin werde ich fleißig weiter chinesisch lernen und mich auf unsere kleine Rundreise freuen, von der es sicher auch wieder einige Fotos zu zeigen geben wird.

Alles Liebe, Eure Bettina

 

 

 

 

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