Tulou - Die Häuser der Hakka in Fujian

Tulou (土楼)sind Häuser ganz besonderer Bauart, die insbesondere in der Provinz Fujian zu finden sind. Sie sind meist rund und stellen eine Wohn- und Arbeitswelt für ganze Familien-Clans dar. Gebaut wurden sie zwischen den 12. und dem 20. Jahrhundert meist von den Hakka, den immigrierten Chinesen aus den nördlicheren Regionen. Um sich und ihre Familien zu schützen, bauten sie diese Anlagen, die einer Festung gleichkommen. Je nach Größe konnten bis zu 800 Personen in einem solchen Tulou wohnen.

Das Zhencheng Gebäude im Dorf Hongkeng ist 1912 von Nachkommen eines reichen Tabakhändlers erbaut worden. Es besteht aus zwei Ringen, der äußere Ring ist vier Stockwerke hoch und hat 184 Zimmer, der innere Ring ist zweistöckig und hat 32 Zimmer.

Diese Wohnkomplexe wurde in der Regel von Familien gemeinsam gebaut und der Wohnraum wurde entsprechend des Bedarfs verteilt. Im weiteren Verlauf wurden bis heute die Wohnräume weiter vererbt. Wer heutzutage nicht mehr im Tulou wohnt, vermietet seine Räume innerhalb der Familie.

Die Wohnräume waren immer ab dem zweiten Stockwerk gestaltet, im Erdgeschoss waren die gemeinsam genutzten Arbeitsräume untergebracht. Zu einem solchen Haus gehörte übrigens auch eine Schule für die Kinder der Familien.

Heutzutage sind viele dieser Tulou zu besichtigen, gehören aber immer noch den ursprünglichen Familien. Tourismus findet sich an allen Plätzen wieder, so wird der angebaute Tee verarbeitet und verkauft, ebenso wie Zigaretten aus dem angebauten Tabak hergestellt werden.

Die größeren Räume innerhalb des Tulou können an manchen Orten für Hochzeitszeremonien gemietet werden. Wer seine Hochzeit in traditioneller Form gestalten möchte, kann hier sogar noch in der Sänfte transportiert werden.

In einem der angrenzenden Tulou, einem dreiteiligen Komplex, der ursprünglich von drei Brüdern gebaut wurde, ist heutzutage ein kleines Hotel untergebracht, der Fuyu Tower Changdi Inn. Wer es also mal ganz originalgetreu erleben möchte, sollte die Gelegenheit nutzen und eine Übernachtung einplanen.

Neben Tee und Tabak gehört natürlich auch der chinesische Schnaps zu den Geschäftssparten der Hakka. Sehr dekorativ verpackt, aber geschmacklich für manche sehr gewöhnungsbedürftig.

Ein Spaziergang durch den Ort spiegelt noch heute viele alte Traditionen wider, den Glauben, die Bedeutung von Wasser vor und Bergen hinter dem Dorf für Wohlstand und Sicherheit und vieles mehr. Um einen Einblick zu bekommen, würde ich hier auf jeden Fall einen lokalen Reiseführer zu buchen. Nur so kann man mehr als nur einen optischen Eindruck dieser faszinierenden Gegend bekommen.

Der Höhepunkt auf dieser Reise wäre eine Drone gewesen, um sich von der Größe und der Ausbreitung der Tulous eine Bild machen zu können. Leider, leider besitze ich keine Drone!

Bis zum nächsten Mal,
Eure Bettina

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.